Mythos Speichergröße
Groß in Mode: Überdimensionierte WärmespeicherWärmespeicher wurden in der Geschichte der Solarthermie stets größer. In welchen Fällen, und ob großzügig dimensionierte Wärmespeicher überhaupt angebracht sind erklärt Dr. Rolf Meißner, Physiker und Entwickler bei der Ritter-Gruppe in Form eines Interviews:  Dr. rer. nat. Rolf Meißner ist Physiker
und seit 1990 in der Entwicklung. 
Der Paradigma Pufferspeicher Aqua
Expresso.
 Der Pufferspeicher wurde mit dem Intersolar AWARD 2009 ausgezeichnet.
| Beim Heizungskauf schaut man auf Kessel und Solarleistung, aber...Dr. Rolf Meißner: "Einspruch!
Auf die Solarleistung wird, außer bei Paradigma, überhaupt noch kein
Augenmerk gelegt. Einer staatlichen Förderung, die nur nach Bruttokollektorfläche » optimale Solaranlagen-Größe anstatt nach Leistung geht, trifft hier die Mitschuld."
…welche Rolle spielen Pufferspeicher, sind sie nur notwendiges Übel?Dr.
Rolf Meißner: "Für den solaren Jahressystemertrag ist eine effiziente,
verlustminimierte Wärmespeicherung ebenso wichtig wie der Solarertrag der
Solarkollektoren. Effizienz bedeutet hier, dass der Wärmespeicher nicht
größer als nötig sein soll und sowohl beim Laden als auch beim Entladen
thermisch schichtet. Verlustminimierung setzt eine hochwertige,
mehrschichtige Wärmedämmung voraus, integrierte thermosiphonierte
Anschlüsse sowie die Vermeidung jeder überflüssigen Zirkulation."
Führen große Solarspeicher automatisch auch zu großen Solarerträgen, wie man häufig hört?Dr.
Rolf Meißner: "Das ist falsch. Solarspeicher verlieren über 8.000
Stunden Wärme (Tag & Nacht) im Jahr, gewinnen aber kaum 1.000
Stunden nutzbare Solarwärme hinzu. Bei fast allen Solarthermieanlagen gelangt
auch Wärme aus fossilen Energien in den Speicher: über den Kessel, die
Heizkreisrückläufe, über die Zirkulation oder gleich mehrfach. Bei den
Wärmeverlusten gibt es keinen Unterschied zwischen fossil oder solar
gewonnener Energie. So schafft ein Solarspeicher überhaupt erst einmal
die Voraussetzung, dass auch immer mehr die mit Öl, Gas oder elektrisch
gewonnene Wärme verloren geht, je größer der Solarspeicher ist. Erst
einmal müssen mindestens diese fossilen Wärmeverluste von der
Solaranlage ersetzt werden. Nur was die Solaranlage noch zusätzlich
darüber hinaus bringt, trägt zum Systemgewinn bei. Wenn der
Solarspeicher immer größer wird, gibt es deshalb irgendwann gar keinen
solaren Systemgewinn (bzw. Deckungsgrad) mehr, obwohl der
Jahresnutzungsgrad der Solaranlage dann fast bei 100 % liegt. Dann gilt
nur noch: „Wie gewonnen, so zerronnen.“
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Woher
kommt dann dieser Meinungstrend, dass Speicher gar nicht groß genug
sein können und warum werden dafür sogar „Innovationsboni“ gezahlt?Dr.
Rolf Meißner: "Hierbei handelt es sich nur um einen Vorwand. Vor allem
soll mit möglichst großen Solarspeichern verhindert werden, dass mit
Glykol als Solarflüssigkeit gefüllte Solaranlagen in den thermischen Stillstand gehen. Je
besser die Kollektoren sind, umso stärker können das Glykol und der
Kollektor bei thermischer Überhitzung geschädigt werden. Mit Innovation
hat Größe beim Speicher überhaupt nichts zu tun. Aber die bevorzugte
Förderung großer Speicher lenkt bisher erfolgreich von der
Stillstandsproblematik ab und hilft auch ein wenig über die extreme
Unwirtschaftlichkeit dieser archaischen Methode der
Stagnationsprävention hinweg."
Ist ein super Speicher wichtiger als vernünftige Kollektoren?Dr.
Rolf Meißner: "Nein, die thermische Solaranlage und der Speicher bilden
stets eine Einheit. Wenn ein Speicher z. B. immer thermisch schichtend
laden soll, benötigt er Hochleistungskollektoren, wie die CPC Vakuumröhrenkollektoren, die auch unter
widrigen Umständen die zur Schichtung notwendige Temperatur erreichen.
Flachkollektoren eignen sich nicht für eine ständig schichtende Ladung,
weil sie besser mit kleinen als mit großen Temperaturdifferenzen
zurechtkommen. Flachkollektoren benötigen auch immer Solarwärmetauscher,
worauf moderne Solarspeicher für mit Wasser betriebene Solarkollektoren
schon lange verzichten. Aber wichtig ist auch die Speicherung selbst.
Gespeichert werden kann nur bei Temperaturen, die höher sind als die
benötigte Nutztemperatur. Also sollten die Kollektoren jederzeit
imstande sein, die maximal zulässige Speichertemperatur (meistens 95 °C)
auch zu erbringen, weil andernfalls der Speicher gar nicht immer
geladen werden kann. Hier zeigt sich erneut die bereits erwähnte
Unehrlichkeit: Eigentlich sollen einfache, nicht schichtende Wärmespeicher in
diesem Sinne gar nicht speichern, sondern nur etwas puffern. Nur unter
sehr sommerlichen Verhältnissen und bei geringem Verbrauch werden sie
allmählich immer wärmer und sollen dann das Sieden der thermischen Solaranlage
verhindern. Es hat mit Durchschnittskollektoren gar keinen Sinn,
wirklich das Speichern von hochwertiger Wärme weit über Solltemperatur
anzustreben." Weitere Informationen zum Paradigma Frischwasserspeicher und Inter Solar-Sieger Aqua EXPRESSO aus dem Hause Paradigma.
LexikonFachbegriffe der Solarthermie, Photovoltaik, Heizungen und aus dem Themengebiet der erneuerbaren Energien, komplexe Technik und Funktionsweisen im Online Solar Lexikon von Paradigma, einem führenden Hersteller umweltfreundlicher Gas- und Pelletsheizungen sowie von thermischen Solaranlagen für Warmwasser und solares Heizen.
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